Die Rostocker Luftwarte 1912 – 1945

Rostocker Luftwarte in einer Ansicht von Norden mit der Bahnstrecke Rostock - Wismar. Eine Ansichtskarte aus dem Verlag Adolf Nerger, veröffentlicht auf http://www.rostock-frueher.de .
Die Luftwarte in Friedrichshöhe bei Rostock mit dem 'drehbaren Windenhäuschen mit Elektromotor zum Hochlassen der Ballons' auf dem Hügel und weiteren Baulichkeiten (Werkstatt, Drachen- und Ballonhalle, Hütte für luftelektrische Messungen). Foto aus [1].
Ausschnitt aus einer Vermessungskarte aus dem Jahr 1936 (?) in einer Ausgabe für den US-Army Map Service 1952 (mit roten Linien), Quelle: http://www.landkartenarchiv.de .
Heutiger vergleichbarer Kartenausschnitt aus Open-Street-Map mit Luftwarte-Koordinaten mittig (Kreuz).

Die Gründung einer Luftwarte an der Ostseeküste wird seit 1906 mit dem Ziel betrieben, sowohl die Kenntnisse über die Meteorologie zu erweitern als auch die Sicherheit im Luftverkehr zu verbessern. Aber erst im Dezember 1911 wird der Bau der Rostocker Luftwarte beschlossen. Geldgeber ist ein englischer „Freund der Luftfahrt“ (Patrik Y. Alexander, 1867–1943). Seine Zuwendung in Höhe von 20 000 Mark sichert den Bau und die Unterhaltung der Luftwarte sowie die luftelektrischen Messungen bis April 1914 ab [1].

1912 ist die Luftwarte fertiggestellt, wie auf den Fotos zu sehen. Das Grundstück, das der Rat der Stadt Rostock auf Antrag zur Verfügung stellt, umfasst 2.5 ha und liegt unmittelbar neben der Bahnstrecke Rostock – Wismar am höchsten Punkt der Stadt (Friedrichshöhe, 48 m über Ostsee-Niveau) bei den Barnstorfer Tannen (Barnstorfer Wald).

Die Zeitschrift Die Schweizer Familie schreibt 1913: „Gründer und Besitzer der Rostocker Luftwarte ist Hauptmann a. D. Dr. Hildebrandt. Wissenschaftlicher Leiter im Ehrenamt ist Universitätsprofessor Dr. Kümmell“. Der Luftwarte-Initiator Alfred Hildebrandt (1870 –1949) promoviert (Examen am 02.12.1911) an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock zum Thema: Vergleich der Temperatur auf dem Brocken und in der gleichen Höhe der freien Atmosphäre auf Grund neuerer Ballon- und Drachenaufstiege; Gutachter: Ule, Kümmell. Direktor der Luftwarte von 1912 bis zu seinem Tode ist Gottfried Kümmell (1866 –1922), Privatdozent für Physikalische Chemie. Sein Nachfolger als ehrenamtlicher wissenschaftlicher Leiter der Universitätsluftwarte von 1922 bis 1945 wird Günther Falckenberg (1879 – 1963), a. o. Professor für Angewandte Physik. Die Personalausstattung der Luftwarte ist minimal; üblicherweise werden pro Semester drei Personen (Direktor, Assistent, Diener) aufgeführt [2].

Im Jahresbericht 1913 zur Tätigkeit der Rostocker Luftwarte [1] wird die Lage der Einrichtung wie folgt beschrieben: 4.5 km westlich von Rostock und 11.5 km südlich von der Ostsee. Als geografische Koordinaten werden angegeben: φ = 54◦ 4, 50 (nördliche Breite) und λ = 12◦ 4, 70 (östliche Länge),
umgerechnet in GPS–Kordinaten: 54.075 N und 12.078 E.

Auf Vermessungskarten des Reichsamts für Landesaufnahme, insbesondere auf dem Messtischblatt Nr. 1938 Rostock, erschienen von 1878 bis 1945, ist die Luft-W(arte) in der Gegend Friedrichshöhe neben Stadtweide eingezeichnet, wobei die Karte aus dem Jahre 1936 oder später auch Höhenlinien zeigt.

Quellen

[1] A. Hildebrandt, G. Kümmell: Die Arbeiten der „Rostocker Luftwarte“ in Friedrichshöhe bei Rostock im Jahre 1913. In: L. Will (Hrsg.) Sitzungsberichte und Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Rostock, Rostock, 1916, S. 65 –110.

[2] Verzeichnis der Behörden, Lehrer, Beamten, Institute und Studierenden der Universität Rostock: rosdok.uni-rostock.de/data/Preview-PuV/PDF/1918_SS_PV.pdf

Reinhard Mahnke, 10.03.2017

Kalenderblatt Juni 2016