Paul Moennich – Physiker und Maler

Paul Moennich 1855 - 1943 (Foto: UAR).

Paul Ludwig Friedrich Moennich, geboren am 10. September 1855 in Drüsewitz bei Tessin in der Nähe von Rostock als Sohn eines Gutsbesitzers, ist von 1886 bis 1895 Privatdozent der Physik an der Universität Rostock und somit der erste langjährige Mitarbeiter von Ludwig Matthiessen (KB 11/2011), dem Direktor des Physikalischen Instituts von 1874 bis 1905. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Rostock (Abitur an der Großen Stadtschule) studiert Moennich ab 1877 in Tübingen, Berlin (bei Hermann von Helmholtz) und Rostock. Die Immatrikulation an der Rostocker Universität erfolgt im Sommersemester 1882. Unter Matthiessens Leitung promoviert Moennich am 7. Juni 1883 in Rostock mit der Dissertation Über den physikalisch-optischen Bau des Rindsauges. Bis zum Jahre 1886 erweitert Dr. phil. Paul Moennich die Messungen und Berechnungen des Brechungsindex auf verschiedene Tierklassen und habilitiert mit der Schrift Neue Untersuchungen über das Lichtbrechungsvermögen der geschichteten Krystallinse der Vertebraten. Die Probevorlesung über elektrische Wärmetelegraphen erfolgt am Sonnabend, dem 06.11.1886,
um 6 Uhr abends in der Aula des Universitätshauptgebäudes.

Ab Wintersemester 1886/87 kündigt Privatdozent Moennich, zusätzlich zu den Vorlesungen von Professor Matthiessen, Lehrveranstaltungen zur Physik, insbesondere zur elektrischen Messtechnik, an. Die Themen lauten:

  1. Über dynamische Elektrizität (WS 1887/88)
  2. Praktische Übungen in der elektrischen Messkunde (WS 1887/88, SS 1888, SS 1889)
  3. Einführung in die Lehre vom elektrischen Potential (WS 1888/89, WS 1890/91, WS 1891/92, SS 1893)
  4. Mechanische Wärmetheorie (WS 1889/90, SS 1891, SS 1892, WS 1892/93)
  5. Theorie der elektrischen Messungen (SS 1890)

Paul Moennich konstruiert verschiedene elektrische Instrumente (Fernmessinduktor, Wärmeregler, Differentialinduktor), die er mit großer praktischer Befähigung in Handarbeit anfertigt. Auf der Gewerbeausstellung zu Rostock 1892 werden in einer gesonderten Abteilung die von Moennich konstruierten Apparate gezeigt und teilweise in Betrieb vorgeführt. Trotz dieser Erfolge (Auszeichnung mit der Mecklenburgischen Medaille für Kunst und Wissenschaft 1893) beantragt Moennich Anfang 1893 seine Beurlaubung vom Lehramt, die ihm am 04.06.1893 für zwei Jahre gewährt wird.

Auf Antrag Matthiessens vom 20.11.1893 wird Privatdozent Dr. phil. Moennich zum außerordentlichen Professor am 13.01.1894 ernannt. Obwohl nach der Einschätzung Matthiessens Paul Moennich „im Stande sein würde, den academischen Unterricht auf diesem in neuerer Zeit besonders wichtig gewordenen Gebiet der Physik [gemeint ist die Elektrotechnik] in wünschenswerter Weise ergänzen“ könnte, wird er am 1. Mai 1895 auf eigenen Wunsch endgültig aus dem Lehramt entlassen. Er arbeitet weiter als freischaffender Künstler, verstirbt am 27.09.1943 in Rostock.

Im Besitz der Universität Rostock sind neun von Moennich signierte Ölgemälde und 24 Ölzeichnungen verdienstvoller Rostocker Professoren (Zitat aus dem Jahresbericht 1911/12 der Universität Rostock: „Herr Professor Dr. Moennich – Gehlsdorf schenkte der Universität 24 Porträts, welche Professoren des hiesigen Lehrkörpers darstellen“) sowie zwei weitere Ölzeichnungen von 1924. Diese realistischen und wirklichkeitsnahen Porträts entstehen zwischen 1904 und 1911. Zu nennen sind der Rektor Otto Staude (KB 03/2012) (Prof. der Mathematik seit 1888, Rektor 1901/02 und 1918/19) und der Chemiker August Michaelis (Rektor 1905/06, seit 1890 Prof. der Chemie und Pharmazie) [3].

Quellen

[1] Rostocker Matrikelportal: Paul Moennich WS 1877/78, Nr. 18; SS 1882, Nr. 30: http://purl.uni-rostock.de/matrikel/200002123 und http://purl.uni-rostock.de/matrikel/200004211

[2] Eintrag zu Paul Moennich im Catalogus Professorum Rostochiensium: http://purl.uni-rostock.de/cpr/00002654

[3] B. Kleinschmidt: Ölzeichnungen von Prof. Paul Moennich in der Porträtsammlung der Universität Rostock. 24 Bilder als Schenkung von 1912, unveröffentlichtes Manuskript vom 24.11.2009, Universitätsarchiv Rostock, 2009.

Reinhard Mahnke, 10.03.2017, 06.04.2017

Kalenderblatt Oktober 2013