Biologie, das sind nach L. CH. TREVIRANUS, der den Begriff prägte, ,,die verschiedenen Formen und Erscheinungen des Lebens, die Bedingungen und Gesetze, unter welchen dieser Zustand stattfindet, und die Ursachen, wodurch derselbe bewirkt wird''. Interessant ist, daß von einem ,, Zustand'' gesprochen wird! Am Beginn des 19. Jahrhunderts hatte sich das Wissen um die Pflanzen- und Tierwelt so vermehrt, daß vielerorts Institute entstanden, die sich ausschließlich damit befaßten. Das gilt auch für Rostock, wo 1812 mit der Berufung von LUDOLPH CHRISTIAN TREVIRANUS (1779-1864) ein solcher Lehrstuhl für Zoologie und Botanik besetzt wurde. TREVIRANUS stammte aus Bremen und war dort als Arzt und Gymnasialprofessor tätig gewesen. Der Gelehrte, der wie erstmals sein Vorgänger LINK Sitz und Stimme in der Medizinischen Fakultät hatte, kündigte im Sommer 1813 eine Vorlesung ,,Zoologiam universam secundum classes et ordines, genera et species animalium, ubi simul exponetur collectio corporum naturalium musei academici'' an. In Rostock führte er eine Vorlesung zur Pflanzenphysiologie ein und verfaßte später (1835) ein Lehrbuch dieser Disziplin. Seine Unzufriedenheit über die viel zu geringe finanzielle Unterstützung für den Botanischen Garten und das Naturaliencabinet ließ ihn schon 1816 einem Ruf nach Breslau folgen.
Während der Nachfolger HEINRICH GUSTAV FLÖRKE (an der Universität Rostock von 1813 bis 1831), gebürtiger Mecklenburger, ursprünglich Theologe, zeitweilig als Hauslehrer und Prediger tätig, ein ähnlich breit gefächertes Vorlesungs- und Vortragsprogramm bestritt, konzentrierte sich JOHANNES AUGUST CHRISTIAN ROEPER (in Rostock 1836-1882) als Botaniker von Rang (Arbeiten über Euphorbiaceen und Balsaminaceen, zur Flora Mecklenburgs sowie die Übersetzung der Pflanzenphysiologie von de Candolle) auf diesen Teil der Biologie und überließ wesentliche Teile der Zoologie HERMANN FRIEDRICH STANNIUS (1808-1883), der 1837 die Leitung des Zootomisch-Physiologischen Instituts übernommen hatte. STANNIUS wurde durch seine zahlreichen vergleichend-anatomischen und physiologischen Arbeiten an Wirbeltieren bekannt, einige Entdeckungen tragen noch heute seinen Namen (STANNIUS-Ligaturen u.a.).
Die Trennung der Zoologie von der Botanik wurde mit der 1865 erfolgten Berufung von FRANZ EILHARD SCHULZE (1840-1921) zum Extraordinarius für vergleichende Anatomie endgültig vollzogen. Er legte den Grundstock für ein eigenes Institut für Zoologie und Vergleichende Anatomie, dessen erster Ordinarius er 1871 wurde. F.E. SCHULZE darf als eine der großen weltweit anerkannten Persönlichkeiten der Zoologie seiner Zeit angesehen werden. Bekannt wurde er durch Arbeiten über Schwämme, Hydrozoen und die Vogellunge. Er initiierte die Herausgabe der Reihe ,,Das Thierreich'' (Berlin, ab 1906) sowie den ,, Nomenclator animalium generum et subgenerum'' (Berlin, ab 1911).
Auf den Lehrstuhl für Botanik wurde 1882 KARL IMMANUEL EBERHARD GOEBEL (1855-1932) berufen. Die Botanik verdankt ihm das noch heute existierende Botanische Institut in der Doberaner Straße. Während seiner Amtszeit wurden ein Botanischer Garten mit Gewächshäusern angelegt und die notwendigen Mittel für einen in der damaligen Zeit modernen Lehrbetrieb beschafft. GOEBEL gilt als eine der angesehensten und bekanntesten Persönlichkeiten seiner Zeit auf dem Gebiet der Botanik. Ähnlich wie SCHULZE blieb er nur kurz in Rostock; FRIEDRICH OLTMANNS, der später durch Arbeiten über Algen bekannt wurde, unterstützte ihn als Assistent.
Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Botanik wurde 1887 PAUL FALKENBERG (1848-1925). Er war zuvor Extraordinarius in Göttingen gewesen und hatte sich mit morphologisch-anatomischen Problemen bei verschiedenen systematischen Gruppen auseinandergesetzt. Es gelang ihm, das Rostocker Institut bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges weiter auszubauen. Vieles war jedoch nicht durchzusetzen. Das vermochte erst sein Nachfolger, HERMANN VON GUTTENBERG (1881-1969), der 1923 auf den Lehrstuhl berufen wurde. Er stammte aus Österreich und hatte in Berlin bereits einen Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie innegehabt. In relativ kurzer Zeit konnte er das Botanische Institut rekonstruieren, ein etwa 6 ha großes Gelände für einen Botanischen Garten erwerben, ausbauen und kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ganz entscheidende Unterstützung leisteten dabei der Gartenarchitekt ARNO LEHMANN (1887-1985) und der Garteninspektor ERICH RULSCH (1901-1971). Viele Pläne zum weiteren Ausbau mit Gewächshäusern und neuem Institut wurden durch den Krieg zunichte gemacht.
VON GUTTENBERGS Initiative und Geschick ist es zu verdanken, daß Schäden des Zweiten Weltkrieges relativ rasch beseitigt werden konnten und sogar einige Erweiterungen vorgenommen wurden (Victoria-Regia-Haus und Barackenbau). Ihm gelang es, das Botanische Institut in Rostock zu hohem Ansehen zu führen. Sein ,,Lehrbuch der allgemeinen Botanik'' (Berlin, ab 1951) kam vielen Studenten der Nachkriegsgeneration zugute; seine Beiträge zur Histogenese höherer Pflanzen im ,,Handbuch der Pflanzenanatomie'' (Berlin 1926, 1940, 1941, 1943) oder sein Taschenbuch der ,,Pflanzenanatomie'' (Berlin 1966) sind herausragende Beispiele rastloser und intensiver Tätigkeit. VON GUTTENBERG war einer der letzten - vielleicht der letzte - Universal-Botaniker in Deutschland, der auf allen großen Teildisziplinen der Botanik forschend und lehrend tätig war. Anläßlich seines 100. Geburtstages wurde 1981 im Botanischen Garten eine Büste VON GUTTENBERGS in Anerkennung seiner großen Leistungen enthüllt.
1950 wurde ein Lehrstuhl für Systematische Botanik errichtet und mit FRANZ POHL (1896-1988) besetzt, der vorher in Prag tätig gewesen war und neben der Systematik auch die Pharmakognosie bis zu seiner Emeritierung 1961 vertrat. Auf diesen Lehrstuhl folgte später (1965) sein ehemaliger Mitarbeiter Helmut Pankow (geb. 1929). Dieser wurde vor allem durch algologische Arbeiten bekannt, die teils floristisch oder taxonomisch, teils ökologisch ausgerichtet waren.
Mit dem Ausscheiden VON GUTTENBERGS übernahm POHL bis zur Berufung von Eike Libbert (geb. 1928) kommissarisch die Leitung des Instituts und des Botanischen Gartens. Libbert hatte zuvor eine Professor für Botanik an der Veterinärmedizinischen Fakultät in Berlin innegehabt. 1959 nahm er einen Ruf an die Universität Rostock als Direktor des Botanischen Instituts an, das sich unter seiner Leitung zu einem Zentrum der Wuchsstofforschung entwickelte.
Die räumliche Enge und die ungenügenden finanziellen Mittel des Ordinariats für Zoologie bewogen sowohl FRANZ EILHARD SCHULZE (1873 nach Graz) als auch viele seiner Nachfolger, einem Ruf einer anderen Universität zu folgen. HERMANN GRENACHER (berufen 1873) gelang es zwar, ein eigenes Institutsgebäude zu erwerben, das ehemalige Oberappellationsgericht, in dem noch heute wesentliche Teile der Zoologie untergebracht sind. Die Universität Rostock konnte ihn aber auf Dauer nicht halten. In Halle kam später sein Können, insbesondere seine Untersuchungen an Mollusken- und Komplexaugen, weit mehr zur Geltung.
Mit ALEXANDER GOETTE (berufen 1882) begann die Zeit der oft wechselnden Institutsdirektoren. Die Mehrzahl von ihnen vollbrachte bedeutende Leistungen an anderen Universitäten, weil diese ihnen offensichtlich mehr bieten konnten als Rostock. Ähnlich wie in anderen Wissenschaftsdisziplinen war auch für Zoologen unsere relativ kleine Landesuniversität mehr ein Sprungbrett. Aus der langen Reihe der Ordinarien (MAXIMILIAN BRAUN, MAX BLOCHMANN, OSWALD SEELIGER, HANS SPEMANN, SIEGFRIED BECHER, KARL VON FRISCH) seien die beiden späteren Nobelpreisträger HANS SPEMANN und KARL VON FRISCH nicht nur wegen ihrer bedeutenden Preise hervorgehoben.
HANS SPEMANN (1869-1941), dem der Preis für die Entdeckung des ,,Organisators'' in der tierischen Entwicklung verliehen wurde, vollzog den Übergang von der betreibenden und vergleichend-anatomisch ausgerichteten Entwicklungsgeschichte zur kausalanalytischen Entwicklungsphysiologie. Neben wichtigen Forschungsarbeiten, die in Freiburg/Breisgau zur Vollendung geführt wurden, konnte er in Rostock auch wissenschaftsorganisatorisch wichtige Akzente setzen. Der Umbau des Zoologischen Instituts mit dem Neubau des heute noch voll genutzten Hörsaals wurde unter seiner Leitung 1912 vollzogen. Welche Beziehungen er zu Rostock entwickelte, geht aus einem Brief an KARL VON FRISCH anläßlich dessen Berufung nach Rostock hervor. Er schreibt: ,,Rostock ist der einzige Ort, nach dem ich manchmal etwas Heimweh habe. Der erste Anblick vom Bahnhof aus ist ja nicht berauschend, aber die alte Stadt selbst und ihre schöne Umgebung, die Kirchen, Türme und Straßen, all das wird einem immer lieber.'' KARL VON FRISCH, den eine lebenslange Freundschaft mit HANS SPEMANN verband, war als Titularprofessor in München durch sinnesphysiologische Arbeiten hervorgetreten. Er konnte während seines zweijährigen Ordinariats in Rostock den sicheren Nachweis für das Hörvermögen der Fische erbringen. 1923 nach Breslau berufen, dann seit 1925 in München, gelang ihm eine Reihe von bahnbrechenden Erfolgen auf dem Gebiet der vergleichenden Sinnesphysiologie. Die Entdeckung der ,,Sprache der Bienen'' sei dabei besonders hervorgehoben. In seinen Lebenserinnerungen äußert er sich zu seiner Rostocker Zeit: ,,Es wurde wirklich sehr schön. Nachdem ich 35 Jahre Ordinarius und Direktor an vier verschiedenen Universitätsinstituten gewesen bin, muß ich sagen, daß der heitere Glanz unserer kurzen Rostocker Zeit nie mehr überstrahlt worden ist.''
Ab 1923 wirkte PAUL SCHULZE (1887-1949) als Institutsdirektor. Er hatte bei FRANZ EILHARD SCHULZE (dem Begründer des Rostocker Instituts) und KARL HEYDER in Berlin als Assistent gearbeitet und beendete mit seiner langen Wirkungsperiode in Rostock die damalige ,,Sprungbrett''-Situation. Als Spezialist für Zecken erwarb er sich internationale Anerkennung, viele Arten tragen seinen Namen. Leider sind seine wertvollen Sammlungen seit dem Kriegsende nicht mehr auffindbar. Allgemein bekannt wurde er durch die Herausgabe der vielbändigen ,,Biologie der Tiere Deutschlands'' (Berlin 1922-1944). 1931/32 bekleidete P. SCHULZE das Amt des Dekans der Philosophischen Fakultät, von 1933 bis 1936 das des Rektors der Universität Rostock. Seinen Schülern war er ein vorbildlicher, engagierter Zoologe, die von ihm propagierte Einstellung zum Nationalsozialismus wirkte sich nicht negativ auf die wissenschaftliche Arbeit mit seinen Studenten und Doktoranden aus.
1945 wurde SCHULZE entlassen, er starb vier Jahre später. Die kommissarische Leitung des Instituts wurde HANS GEORG HERBST (1920-1991) übertragen, der diese jedoch nur kurze Zeit wahrnahm, denn 1947 gelang es, JOSEF SPEK, vorher Professor in Heidelberg, für die Leitung des Instituts zu gewinnen. SPEK, international durch viele grundlegende Untersuchungen auf den Gebieten der Protoplasmaforschung und der Entwicklungsphysiologie bekannt geworden, war Mitbegründer (1927) und Herausgeber der international führenden Zeitschrift ,,Protoplasma''. Ihm gelang es, die schlimmsten Nachkriegsfolgen zu beseitigen, den Lehrbetrieb zu aktivieren - seine Vorlesungen gehörten zu den besten, die die Fakultät zu damaliger Zeit zu bieten hatte - und das Zoologiestudium wieder attraktiv zu machen. SPEK mußte 1959 seine Lehrtätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben; er starb 1964.
Sein Nachfolger Ludwig Spannhof (geb. 1925), der bis zu seiner Berufung nach Rostock als Dozent am Zoologischen Institut der Humboldt-Universität tätig war, übernahm 1960 die Leitung des Instituts und baute es zielstrebig zu einem Schwerpunkt tierphysiologischer Lehre und Forschung aus. Am Institut wurde eine Abteilung für Meeresbiologie und Spezielle Zoologie eingerichtet, zu deren Leiter Ernst Albert Arndt (geb. 1927) ernannt wurde.
Mit der Neubesetzung der Lehrstühle für Botanik (1959) und Zoologie (1960) begann eine sehr intensive Modernisierung der Lehrtätigkeit und Forschung, wobei das Schwergewicht auf der Pflanzen- bzw. Tierphysiologie lag. Neue Dozenturen für Biochemie (am Botanischen Institut) und Sinnesphysiologie (am Zoologischen Institut) wurden eingerichtet. Schließlich gelang durch Übernahme von Räumlichkeiten aus der Medizinischen Fakultät die Neugründung eines dritten Instituts, des Instituts für Mikrobengenetik. Damit wurde ein entscheidender Schritt für die zeitgemäße Ausbildung in den immer wichtiger werdenden Disziplinen Mikrobiologie und Genetik getan.
Neben den Instituten sind die in den letzten 100 Jahren immer weiter gewachsenen botanischen und zoologischen Sammlungen erwähnenswert. Sie stellen wertvolle und zum Teil unersetzliche Exponate für Lehre und Forschung dar. Wenn auch in den Wirren des Zweiten Weltkrieges und danach einiges verloren ging, sind das Universitätsherbarium aus dem 19. Jahrhundert mit über 17000 Pflanzenarten aus der ganzen Welt auf 68000 Bögen und das Mecklenburgische Herbar (das sog. E.H.L. KRAUSE-Herbar) mit 1500 Sippen auf 4000 Bögen ebenso hervorzuheben wie die gesamte Zoologische Sammlung. Sie enthält den weltberühmten Storch, der mit einem Pfeil im Hals aus Zentralafrika den Weg in sein Nest auf einem Bauernhaus in der Nähe von Klütz im Frühjahr 1822 zurückfand und damit Zeugnis für einen zu damaliger Zeit noch umstrittenen Wanderweg ablegte. Neben vielen wertvollen Einzelstücken sind auch wichtige Insektensammlungen (Schmetterlinge, Wanzen, Zweiflügler u.a.), eine einmalige Sammlung von Beuteltieren aus Neuguinea und die vom Großherzog von Mecklenburg als Geschenk dedizierte Kollektion von Weichtierschalen aus tropischen Gewässern zu nennen. In jüngster Zeit ist dazu die FRITZ-PAUL-MÜLLER-Sammlung von Blattläusen aus aller Welt gekommen, die mit 21000 mikroskopischen Dauerpräparaten die größte Blattlaussammlung Deutschlands darstellt.
Betrachtet man die Entwicklung der Rostocker Biologie bis 1965/66, so gewinnt man den Eindruck, daß mit der Besetzung der Lehrstühle bzw. Dozenturen sowie der Gründung von neuen Abteilungen ein gutes Fundament für einen Aufschwung gelegt wurde, der mit Verhältnissen an anderen Universitäten vergleichbar war. Innerhalb weniger Jahre gelang es, durch Neueinstellungen die Arbeitsfähigkeit der Institute erheblich zu steigern und durch Modernisierung die sehr knapp bemessenen Räumlichkeiten besser zu nutzen. Zahlreiche Publikationen belegen diesen Aufschwung. Ein Höhepunkt war eine internationale Wuchsstoff-Tagung (Rostock/Kühlungsborn 1966) mit Teilnehmern aus ost- und fast allen westeuropäischen Ländern, Japan und den USA. Bis zu dieser Zeit (1966/67) wurde die Entwicklung im wesentlichen noch durch die Universität und ihre Strukturen selbst bestimmt.
Das änderte sich drastisch mit der III. Hochschulreform und äußerte sich in einer Auflösung der bestehenden Institute sowie der Gründung der Sektion Biologie zum 1.7.1968. Mit den Sektionen wurden Strukturen geschaffen, die unter strenger Kontrolle der SED-Parteileitung zu arbeiten hatten. Damit wurde die Kommandowirtschaft auch an den Universitäten eingeführt. Für die Rostocker Biologie bedeutete das eine unglückselige, einseitige Einschränkung des Forschungs- und Ausbildungsprofils auf meeresorientierte Disziplinen. Die international anerkannte Wuchsstofforschung bei Pflanzen, die erfolgreichen zell- und sinnesphysiologischen Arbeiten an Tieren sowie die vielversprechenden bakteriengenetischen Ansätze wurden storniert. Renommierte Mitarbeiter verließen die Sektion. Die Ausbildung und Forschung in Disziplinen, die im Zusammenhang mit der aufblühenden Molekularbiologie zunehmend an Bedeutung gewannen, wurden in Rostock zur Nebensache deklassiert - eine Entwicklung, die erst Mitte der 80er Jahre aufgehalten werden konnte.
In die Rostocker Sektion Biologie wurden 1968 auch solche biologischen Einrichtungen eingebunden, die vorher zu anderen Fakultäten gehört hatten, wie die ehemalige Abteilung für Biologie-Methodik und für Landwirtschaftliche Biologie. Für einige Jahre stießen so ein Pflanzenmorphologe, -soziologe und Naturschutzexperte und der international gefragte Aphiden-Spezialist, dessen bereits erwähnte umfangreiche Sammlung als FRITZ-PAUL-MÜLLER-Stiftung noch heute am Fachbereich gepflegt wird, zur Sektion Biologie. Gleichzeitig wurden der Biologie Räumlichkeiten wie die der ehemaligen Geologisch-Paläontologischen und Mineralogisch-Petrographischen Institute und des vorher zur Akademie der Wissenschaften gehörenden Torfinstituts zur Verfügung gestellt. Ein Lehrstuhl für Fischereibiologie wurde eingerichtet.
Die höchst einseitige Ausrichtung auf Meeres- und Fischereibiologie ging im Laufe der Jahre in eine aquatisch-ökologisch orientierte Forschung über, die internationale Anerkennung besonders im Ostseeraum fand. So wurde auf Rostocker Initiative die internationale Organisation der Ostseemeeresbiologen gegründet; im Wissenschaftsbereich Experimentelle Ökologie wurde das Fundament einer modernen aquatisch-ökologischen Forschung gelegt; der Wissenschaftsbereich Tierphysiologie tat sich mit fischphysiologischen Arbeiten hervor und im Wissenschaftsbereich Pflanzenphysiologie und Biochemie formierte sich eine streßphysiologisch an Blaualgen arbeitende Gruppe.
1986 begannen die Bemühungen um die Wiederherstellung einer multivalenten Ausbildung und Lehre. Am Wissenschaftsbereich Tierphysiologie wurde eine Dozentur für Genetik eingerichtet, im Wissenschaftsbereich Pflanzenphysiologie und Biologie entstand eine gentechnische Arbeitsgruppe. Bis 1989 umfaßte die Sektion Biologie die Wissenschaftsbereiche Spezielle Botanik, Pflanzenphysiologie und Biochemie einschließlich Mikrobiologie, Tierphysiologie und Genetik, Meeresbiologie, Experimentelle Ökologie (früher Produktionsbiologie), Fischereibiologie, Terrestrische Ökologie (später der Speziellen Botanik zugeordnet) und Biologie-Methodik. Diese Disziplinen wurden von neun Professoren und acht Dozenten vertreten.
Mit dem politischen Umbruch von 1989/90 und der von vielen Mitarbeitern mitgetragenen Umgestaltung der Sektion Biologie zu einem Fachbereich vollendete sich die Entwicklung zu moderner und umfassender biologischer Forschung und Ausbildung. Mit der Neustrukturierung der Wissenschaftslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern wurde die Pädagogische Hochschule Güstrow aufgelöst und die Abteilung Biologie dem Fachbereich Biologie der Universität Rostock angegliedert. Gegenwärtig gehören zum Fachbereich acht C4- und sieben C3-Professuren. Die erste Neuberufung erfolgte 1992 auf den Lehrstuhl für Tierphysiologie verbunden mit der Einführung einer modernen Neurobiologie und eines videomikroskopischen Zentrums. Bis 1995 werden weitere vier Berufungen erfolgen. Diese personelle Erneuerung und die inzwischen erreichte moderne gerätetechnische Ausstattung sind weitere Garanten für die aufstrebende Entwicklung der biologischen Wissenschaften in Rostock.