Spaß an der Wunderwelt Physik

Mehr als 400 Schüler aus ganz Mecklenburg- Vorpommern testeten gestern ihr Wissen beim Physiktag an der Uni Rostock. Und ermittelten das schlaueste Nachwuchs-Team.

Rostock (OZ) Was passiert mit einem Schokokuss im Vakuum? Er wächst. Wird groß und größer, die Schokoladenhülle treibt in kleinen Stücken auf der quellenden weißen Masse – wie Kontinente auf der Erde. Thomas Diederich (32), Doktorand im Fachbereich Physik der Rostocker Uni stoppt den Kompressor und fragt die Umstehenden nach einer physikalischen Erklärung für den geschwollenen Grabower Kuss.

   Es ist nur eines von vielen Experimenten, die gestern mehr als 400 Schüler beim Rostocker Physiktag erleben konnten. Außerdem stellten sie sich einem Turnier, um das Team der schlauesten Nachwuchswissenschaftler zu ermitteln. „Wir wollen sehen, ob unser wissenschaftlicher Nachwuchs wirklich so schlecht ist, wie es uns die Pisa-Studie und die Medien glauben machen wollen“, sagt Mitinitiatorin Dr. Viola von Oeynhausen von der Rostocker Uni.

   Mecklenburg-Vorpommern belegt in der Pisa-Studie für Deutschland bei der Naturwissenschaftlichen Kompetenz Rang neun. Und Deutschland liegt im Vergleich zu anderen Ländern unter dem Durchschnitt. „Wir wissen, dass unsere Schüler Schwächen haben“, sagt die Pressesprecherin des Bildungsministeriums, Heike Neitzert. Es gebe bereits viele Strategien, die Probleme zu lösen. Und Angebote wie der Rostocker Physiktag würden belegen, dass es im Land auch viele außerschulische Bildungsimpulse gebe.

   Während die Gymnasiasten noch versuchen, die Worte Innen- und Außendruck in eine Erklärung zu verpacken, lässt der Physiker Diederich in den Versuchsbehälter Luft einströmen. Schnell nimmt der Grabower Kuss die ursprüngliche Gestalt wieder an. Die Schüler sind kurz davor zu applaudieren. Der Spaß an der Sache ist ihnen anzumerken und das ist es, was die Rostocker Wissenschaftler mit ihrem Aktionstag bezweckten. „Wir wollen Schüler für die Physik begeistern“, sagt von Oeynhausen.

   Begeistert verfolgen auch die Schüler, deren Schulen sich nicht qualifiziert hatten, die Physik-Turnier-Endrunde. Vier Teams lösen um die Wette physikalische Rätsel. Mit welcher Linse lässt sich ein paralleler Lichtstahl im Wasserkasten bündeln? Warum fällt ein Magnet durch ein Rohr aus Kupfer langsamer als durch eins aus Glas?

   „Physik macht Spaß“, sagt Katja Karstens (19) aus dem Gewinnerteam des Rostocker Käthe-Kollwitz-Gymnasiums nach dem Finale. Schon im Vorausscheid hatte das Gymnasiums mit musikalischer und naturwissenschaftlicher Ausrichtung die besten Ergebnisse aller Teilnehmer. Gemeldet waren 25 Schulen aus dem ganzen Land. Der Gesamtleistungsdurchschnitt sei jedoch nicht berauschend gewesen, sagt von Oeynhausen: „Pisa lässt grüßen.“

   Dass der Druck der Gasbläschen im Eischnee des Schokokusses, im Vakuum befreit vom Luftdruck, die Schokolade platzen lässt, scheint schnell den meisten Schülern klar. Ganz im Sinne der bei Pisa erforschten naturwissenschaftlichen Denkweise kommt einer von ihnen auf Grund seiner Beobachtungen und Befunde zur angemessenen Schlussfolgerung: „Und wie schmeckt der jetzt?“ „Ausprobieren“, rät Diederich und händigt das Versuchsobjekt aus: „Guten Appetit!“

NICK VOGLER

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Andreas Przystawik (l.) demonstriert Christine Beyer (15) und Frank Hartmann (16) ein Lasergerät im Physik-Labor der Rostocker Universität.

Foto: Sören Klement

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